Amazon Flexible Payments Service FPS

2009 Oktober 16
by Wolfram

Mit Amazon Flexible Payments Service hat ein Entwickler die Möglichkeit ein vertrauenswürdiges und weit verbreitetes Bezahlsystem in seine Applikationen und Webanwendungen zu integrieren. Amazon übernimmt dabei die Abwicklung der Zahlung. Kunden benötigen für die Nutzung des Dienstes ein Kundenkonto bei Amazon – aktuell verfügen wohl mehr als 70 Millionen Kunden weltweit über einen solchen Account. Daher erschließt sich für den Developer potenziell eine sehr große  Zielgruppe – mit einem großen Vertrauensvorschuss durch die Marke “Amazon”.

Amazon ermöglicht drei Varianten der Zahlungsabwicklung – wobei nur die erste auch für Kunden außerhalb der USA nutzbar ist:

  • Kreditkarten-Transaktionen
  • Lastschriftverfahren über das Bankkonto
  • Abrechnung über Prepaid-Konto bei Amazon

Die Abrechnungswährung ist im jeden Fall US-Dollar. Unter anderem aufgrund dieser beiden Einschränkungen hat das Thema Amazon FPS außerhalb der USA noch nicht richtig Fahrt aufgenommen und keine große Verbreitung in der Developer-Community. Schade, dass die großen Player (auch Google Checkout und PayPal) diesen riesigen und sehr innovationsfreudigen europäischen Markt nicht im Fokus haben! Insbesondere fehlt mir hier die Ausweitung der Bezahlmöglichkeiten auf die im europäischen Raum so beliebten Lastschriftverfahren. Auch beim Pricing finden sich – neben der Einschränkung auf reine Kreditkartentransaktionen – zusätzliche Nachteile:

Kosten für Kreditkarten-Transaktion: 2.9% + $0.30 für Warenkorbwerte > 10 $; sollte der Warenkorb niedriger sein 5%+$0.05 und richtiges Micropayment < 0,05 $ Warenkorbwert ist nur mit der Abrechnung über das Prepaid-Konto möglich (dieses wiederum ist aber nicht außerhalb der USA verfügbar). Leider sind diese Preise nur für den US-Markt gültig – möchte man auch deutsche bzw. nicht-amerikanische Kunden bedienen, dann erfolgt ein Aufschlag von 1% auf die Transaktionskosten.

Wir sehen also, dass Amazon FPS – zumindest außerhalb Amerikas – keine Lösung für das oft zitierte Micropayment-Dilemma ist.

Neben der Übernahme des gesamten Zahlungsabwicklungsprocessings und dem Vertrauens-Bonus durch den Amazon-Brand übernimmt Amazon unter bestimmten Bedingungen auch eine Zahlungsgarantie für die durchgeführten Transaktionen. Die dafür geltenden Rahmenbedingungen finden sich hier. Insbesondere gilt die Coverage gegen Chargebacks nur bei dem Verkauf physischer Produkte – bei Downloadable Products, in-game items etc. gibt es keine Zahlungsgarantie.

Für reine Entwickler ist das sicherlich ein sehr interessanter Service, bestehende Online-Händler sollten allerdings berücksichtigen, dass sie Amazon Einblick in ihre Umsätze, Renner und Penner gewähren und Amazon dieses Wissen – zumindest bei größeren Shops – auch zum eigenen Vorteil einsetzen könnte (siehe Shopanbieter-Artikel).

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