Cloud Commerce

2009 Februar 7
by Wolfram

Cloud Commerce – die neuen Märkte im E-Commerce

“Produkte, die sich noch in der Entwicklung befinden, werden auf einen Markt geworfen, der gerade erst entsteht – mit einer Technologie, die sich täglich ändert.”

Mit diesem Zitat von Kent Foster möchte ich die neue Schwerpunktsetzung dieses Blogs einläuten. Das für mich faszinierende an “E-Commerce in the cloud“, Cloud Computing oder einfach Cloud Commerce ist für mich eben diese Mischung aus disruptiven Produkten, einem vollkommen neuen Markt, der jetzt erst entsteht und einer Technologie, die noch nicht fertig definiert ist. Also ein wunderbares Spielfeld für das “schriftliche Entdecken” in diesem Blog.

Außerdem passt das Thema gut als visionäre Ergänzung zu dem eher bodenständigen 2. Hauptthema dieses Blogs: wie werde ich schneller, besser und kundenfreundlicher im täglichen E-Commerce-Geschäft. Dieser Fokus für das Operative bleibt bestehen – bald mit neuen Artikeln rund um Online-Marketing, Fulfillment/Payment und Kundenservice im E-Commerce.

Meine Vision des Cloud Commerce: Irgendwann werden wir alle Funktionen, die wir für unser Geschäftsmodell benötigen on demand als Service aus der Cloud ziehen und diese auch nur noch nach “tatsächlich genutzten Serviceeinheiten” bezahlen. Ein Warenwirtschafts-Service für 10 cent, einmal Produktbild neu in den Shop laden 1 cent, den Google Apps-Account oder Exchange on demand für 40 Euro pro User und Jahr, via iPhone kurz ein Trouble-Ticket in einem Customer Care Center abschließen, eine neue Webanwendung auf Amazon S3-Servern deployen und für CPU-Time und pro downgeloadetes Gigabyte bezahlen.

Die Zeit in der jede Firma ihren Mitarbeitern einen 1.000 Euro-PC mit 95%-ungenutzter Rechenpower unter den Tisch stellt und über die Investition in neue Blade-Server sinniert, wird zu Ende gehen. Für die meisten Unternehmen wird die tatsächliche Technologie immer mehr zu einer Black Box, besser: zu einer Wolke. Und aus dieser Wolke zieht man sich die Services, die man jetzt gerade benötigt. Wie dieses Services entwickelt wurden? Wer diese Services entwickelte? Worauf diese Services laufen? Das wird an Bedeutung verlieren: Hauptsache sie sind verfügbar, skalierbar  und erfüllen ihre Funktion. Schon heute ist in vielen Unternehmen der Webbrowser die meist-genutzte Software auf dem Rechner (und dafür soll man allen Ernstes einen Quadcore vorhalten?).  Achja, Software auf DVDs und in Kartons wird dann natürlich auch keiner mehr brauchen – auch geschäftskritische Anwendungen, wie WWS oder CRM oder auch die FIBU werden aus der “Datenwolke” als just-in-time-Service gezogen. Die erste Welle rollt schon: Google Docs, Zoho oder Mindmeister.

Aus Sicht der Geschäftsmodelle werden die Unternehmen interessant werden, die sich schon jetzt in voller Radikalität diesem Ansatz stellen und aktiv versuchen damit umzugehen, wie z.B. Amazon Webservices, Google Apps, salesforce.com, MobileMe aber auch Startups wie Collmex Buchhaltung für Nicht-Buchhalter, 37signals oder Evernote.

Ridderstrale/Nordström (Funky Business forever. Lesen!) erkennen richtig:

Die “Infostruktur”, das elektronische Nervensystem einer Firma, wird wichtiger werden als die Infrastruktur.

Woran wir “dieses nächste große Ding” namens Cloud Commerce schon heute erkennen können: Just in der Zeit von Vista und immer höheren Hardwareanforderungen hat ein Megatrend namens Netbooks gezeigt auf was die Kunden Lust haben: neue Devices um ultra-mobil ihrer Lieblingsbeschäftigung nach zu gehen –> dem Surfen in der Cloud 1.0 (= WWW). Bezeichnenderweise hat Microsoft diese radikale Umorientierung der Kunden nicht nur nicht erkannt, sondern mit Vista & dem aktuellen Office-Paket ein um Welten davon entfernte Produktpalette am Start. Nicht umsonst ist Microsoft einer der größten Verlierer der aktuellen disruptiven Marktverwerfungen. Aber auch Apple wird nicht ungeschoren davon kommen, denn die Macs sind sogar noch teurer als die eh schon hoffnunglos überteuerten Vista-Boliden.

Wenngleich Apple aber eine entscheidenden Vorteil für sich evtl. wird nutzen können: Das Talent komplexe Dinge radikal einfach zu machen. Denn: Damit der Cloud Commerce zu einer Massenbewegung werden kann, darf sich der Trend nicht nur um Techies, Webservices und APIs drehen. Ganz im Gegenteil! Der Mainstream ist kein Poweruser und will auch keiner sein. Vielleicht kann nur eine Firma wie Apple, die mit dem iPod Musikhören radikal vereinfachte und mit dem iPhone sogar meine Mutter zum Touchscreen-Fetischisten macht die Cloud auch in die Herzen bringen?!

In diesem Sinne: Rechenleistung kommt zukünftig aus dem Netz. Der Desktop ist tot! – und ich werde über Anwendungen, Geschäftsmodelle und Trends in diesem Bereich  “schriftlich nachdenken”. Denken Sie mit?

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